Geologie · Malerei · Wissenschaft

Stein zeigt Zeit. Kunst macht sie sichtbar.

Torsten Schönberg entwickelte die Idee, geologische Untersuchung nicht nur zu erklären, sondern in Kunst zu übersetzen. Gemeinsam mit seinem Vater, dem Maler Dieter Schönberg, entstand daraus ein Projekt zwischen Gelände, Mikroskop, Leinwand und gesellschaftlichem Dialog.

Petrographisches Gemälde nach einem Gföhler Gneis aus dem Waldviertel
Gföhler Gneis · Waldviertel, Österreich

01 · Das Projekt

Eine Familienarbeit mit zwei Blickrichtungen.

Der geologische Blick sucht Struktur, Entstehung und Zusammenhang. Der malerische Blick verdichtet Farbe, Rhythmus und Form. In der „Stein-Zeit in der Kunst“ arbeiten beide Perspektiven an demselben Gegenstand.

Torsten Schönberg

Geologe, Künstler und Konzeptentwickler

Die Idee, aus Geologie Kunst zu machen, stammt von Torsten Schönberg. Er verantwortet heute Konzept, künstlerische Weiterentwicklung, Projektleitung und Kommunikation.

Zum Porträt
Dieter Schönberg

Maler und Projektpartner

Dieter Schönberg (1948–2024) übersetzte mineralische Strukturen in Malerei. Seine Bilder und seine Prägung bleiben Teil des lebendigen Projekts.

Werk und Erinnerung
Gemeinsame Arbeit

Vom Gestein zum öffentlichen Gespräch

Probennahme, Dünnschliff und mikroskopische Analyse führen zur bildnerischen Interpretation – und von dort in Ausstellung, Vermittlung und Austausch.

Den Prozess verfolgen

Der Bezug zu Joseph Beuys

Wissenschaft ist kein Gegenpol zur Kunst.

Joseph Beuys und sein erweiterter Kunstbegriff sind für Torsten Schönberg ein persönlicher Bezugspunkt: Kunst kann über das einzelne Objekt hinausdenken und auf wissenschaftlicher wie gesellschaftlicher Ebene wirksam werden.

Torsten und Dieter Schönberg sahen Beuys und seine Kunst bei gemeinsamen Besuchen der documenta in Kassel 1977 und 1982. 1987 kehrten sie ausdrücklich wegen „7000 Eichen“ zur documenta zurück; Beuys war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben und das Projekt wurde über seinen Tod hinaus vollendet. Jedem der 7000 Bäume war ein Basaltstein zugeordnet; die Steine lagerten zunächst als ein mit jeder Pflanzung kleiner werdender Steinberg auf dem Friedrichsplatz.

Torsten Schönberg entwickelte daraus einen eigenständigen Weg. Der Großteil der verwendeten Dünnschliffe entstand im Zuge seiner geologischen Diplomarbeit. Ihre mikroskopischen Strukturen wurden zum Ausgangspunkt für Kunst und Malerei: Wissenschaftliche Analyse, künstlerische Übersetzung, Ausstellung und Vermittlung greifen dabei unmittelbar ineinander.

Es bestand keine Zusammenarbeit, Nachfolge oder institutionelle Verbindung zu Joseph Beuys. Der Bezug ist persönlich, biografisch und konzeptionell.

02 · Methode

Vom Gelände bis zur Leinwand.

Jede Arbeit beginnt mit einem realen Ort und einem realen Gestein. Die wissenschaftliche Präparation macht sichtbar, was dem bloßen Auge verborgen bleibt.

Feld

Probennahme

Gestein wird am Fundort dokumentiert und als Material für die weitere Untersuchung ausgewählt.

Labor

Dünnschliff und Analyse

Im polarisierten Licht treten Minerale, Gefüge und Farben als eigene Bildwelt hervor.

Atelier

Künstlerische Übersetzung

Die mikroskopische Struktur wird nicht kopiert, sondern in Komposition, Farbe und malerische Entscheidung überführt.

Filmische Dokumentation

Petrographie in Bewegung.

Die Hessenschau stellte das Projekt und seine Verbindung von Geologie und Malerei vor.

Weitere Filme dokumentieren Probennahme, Rundfahrt, Dünnschliff, Collage und Ausstellung. Sie machen den Weg des Materials nachvollziehbar und gehören zur Vermittlung des Projekts.

Petrographisches Gemälde nach Alkali-Olivin-Basalt als Vorschaubild des Hessenschau-Beitrags

Das Projekt lebt weiter

Bewahren heißt weiterarbeiten.

Nach dem Tod von Dieter Schönberg führt Torsten Schönberg das gemeinsame Projekt als Ansprechpartner und künstlerisch-wissenschaftlicher Projektleiter weiter.

Die bestehenden Arbeiten bleiben zugänglich. Zugleich kann die Methode auf neue Gesteine, Landschaften und Vermittlungsformen übertragen werden. Anfragen zu Ausstellungen, Kooperationen, Presseunterlagen und zum Werk beantwortet Torsten Schönberg.